K12 GALERIE | HANNES GAMPER "Digitalplots" | Fotos: K12 GALERIE © 2007 Marxx
 

 
K12 ARTGUESTS
TEXT | BIOGRAFIE

HANNES GAMPER

1945 Geboren in Schruns At.
1959-64 Fachschule für Bildhauerei Hallstatt At.
1964-66 Akademie der bildenden Künste, Wien
1974-77 Werkseminar, Kunstgewerbeschule Zürich
1988 Werkstipendium zum Studium farbiger Erden (Spanien) Stadt St.Gallen
1991 Förderungspreis der Stadt St. Gallen
1992 Studienaufenthalt in Civitella d`Agliano IT. Landesregierung Vorarlberg
2000 Kulturwohnung in Rom, Kanton St. Gallen

AUSSTELLUNGEN Auswahl ab 1990

1990 Kunstmesse Fankfurt /Gal. Agathe Nisple St.Gallen
1990 St. Galler-Kunstschaffen 90, Kunstmuseum St. Gallen
1991 Studio aller Art, Bludenz, Oestereich,
1992 Kunsthalle St. Gallen, CH
1992 Civitella d'Agliano, Progetto " Memory " Italien
1994/95 Künstlerhaus Palais Thurn+Taxis, Bregenz, Oesterreich
1995 Toyamura international Sculpturbiennale. Hokkaido, Japan
1997 Tagungszentrum Schloss Wartensee, St. Gallen CH
1999 Hintere Bahnhofstrasse, St. Gallen >Breath of India< Installation
2001 Generali Versicherungen, St. Gallen >Aspekte der Malerei<
2001 Amt für Kultur, Regierungsgebäude >Saluti da Roma<
2003 Michigan State University, East Lansing, USA
2003 Galerie Macelleria d'Arte St Gallen
2004 Galerie Aphold Kunstmesse Karlsruhe + Ausstellung Galerie. Aphold, Allschwil
2004 Kunstraum, Kunstteam Attersee, Oesterreich
2004 Kunstmesse Salzburg bei Kunstteam Attersee, Oesterreich
2004 Künstlerhaus Palais Thurn+Taxis, Bregenz, Oesterreich
2005 Künstlerhaus Palais Thurn+Taxis, Bregenz, Oesterreich
2007 Galeria Studio 44, Genova, Itlaien
2007 Galerie K12, Bregenz, Oesterreich


DIGITALE MALEREI VON HANNES GAMPER

In den neueren Werken, die in den letzten rund fünf Jahren entstanden sind, hat sich Hannes Gamper, den wir als Vollblutmaler kennen, vorwiegend der digitalen Malerei verschrieben. Was ist gemeint mit der Bezeichnung Vollblutmaler und wie arbeitet ein solcher im Bereich der digitalen Malerei? – das ist hier die Frage.

Wir erinnern uns zurück an die frühen neuziger Jahre, als Hannes Gamper die mineralischen Pigmente, aus denen er die Farben für seine Malerei hergestellte, auf ausgedehnten geologischen Exkursionen in Südfrankreich, Spanien und Italien selbst gesucht und gesammelt hat. Diese Malerei war 1995 im Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis in Bregenz in einer Einzelausstellung des Künstlers zu bewundern. Auf Leinwand oder selbstgeschöpftes (?) Büttenpapier aufgetragen, bestach diese Malerei durch ihre erdige Farbigkeit, die ihre Bindung an die mediterrane Landschaft zur Schau trug. Die ausgesprochen haptische Struktur dieser Bilder stand in direktem Zusammenhang mit der Geologie der Herkunftsländer der verwendeten Farben. Farbigkeit und Struktur dieser Malerei bringt mich dazu, ihren Schöpfer als Vollblutmaler zu apostrophieren (Abb. Im Text)

Der Sprung zum digitalen Maler ist nicht so gross, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Es existiert eine interessante Uebergangsphase im malerischen Werk von Hannes Gamper, in der zwei Bildwelten auf spannende Weise miteinander in Verbindung gebracht werden. Diese Werke waren 1997 in einer Einzelausstellung im Schloss Wartensee zu sehen.

Vordergründig werden diese Bilder von farbigen horizontalen Streifen dominiert, die den Bildaufbau auf den ersten Blick beherrschen. Hinter der Streifenebene tut sich eine hintergründige, figurale Malerei auf, die immer mehr an Aufmerksamkeit gewinnt, je länger sich der Betrachter ins Spiel der beiden optischen und räumlichen Ebenen einlässt. Die Spannung wird durch verschiedene Elemente erzeugt. Zum einen durch die eben beschriebene Flächigkeit der Streifenebene und die Räumlichkeit der figuralen Ebene dahinter. Zum anderen durch die verschiedene Qualität der verwendeten Farben – vorne synthetische Acrylfarbe, hinten mineralische Erdfarbe. Zwei Welten der Malerei begegnen sich gleichsam: eine alte und eine neue, eine mineralische und eine synthetische, eine räumliche und eine flächige, eine figurative und eine abstrakte. Dieser Beziehungsreichtum macht diese Bilder so spannend (Abb. im Text)

Der horizontale Aufbau der erwähnten Bilder, der als Schlitzung oder Schichtung aufgefasst werden kann, erlaubt Querverweise einerseits auf vulkanische Gesteinsformationen, die Hannes Gamper auf seinen geologischen Exkursionen inspiriert haben könnten, aber auch auf die Streifenkodierung der Konsumwaren, die uns allseits umgeben und die in der vordergründigen Streifung der Bilder anklingen mag. Durch die Kombination der beiden Welten und deren doppelbödiger Beziehung, hat Hannes Gamper ein offenes System für seine Malerei entdeckt, das ihm erlaubte, alte Praktiken der Malerei mit neuen Inhalten zu füllen, die auch ein Ausgreifen auf elektronische Medien ermöglichten.

Auf diesem Hintergrund betrachtet, sehe ich die neuesten Bilder von Hannes Gamper als konsequente Fortsetzung seiner Malerei mit anderen Mitteln. Die mehrheitlich grossformatigen Bilder, die in dieser Publikation erstmals vorgestellt werden, gehen einen entscheidenden Schritt weiter, was die Digitalisierung des Entstehungsprozesses angeht. Als Plotterdrucke in Kleinstauflage (5Ex.) gedruckt, würde ich sie, ihrer malerischen Qualität wegen, als „digitale Malerei“ bezeichnen wollen, wenn dieser Ausdruck als Neuschöpfung überhaupt legitim ist.

Vom horizontalen Bildaufbau her gesehen, schliessen diese Bilder nahtlos an die oben beschriebenen der zweiten Phase an. Es sind Streifenbilder, auf denen oft, nicht immer, so etwas wie ein Horizont ausgemacht werden kann. Je nach der Grösse des Farbanteils von Braun, Grün und Blau sind wir verleitet an Acker- Wiesen- oder Seestücke zu denken. Dieser Rückkoppelung an traditionelle Sehgewohnheiten kommen die schwimmenden Uebergang von einer Farbnuance zur anderen sehr entgegen.

Kann man angesichts der Plotterdrucke überhaupt von Malerei sprechen, das ist hier erneut die Frage. Wohl nicht im strengen, wohl aber im übertragenen Sinn, insofern wir die Ausstrahlung dieser Werke als eine durchaus malerische empfinden. Ich hätte mir vorher nie träumen lassen, dass mit dem Computer gemalt werden kann – gezeichnet allerdings schon.

Gehen wir dem Entstehungsprozess dieser Bilder etwas auf den Grund, so stossen wir auf Wurzeln, die den eben geschilderten Eindruck möglicherweise aufhellen, wenn auch nicht restlos erklären können. Das Ausgangsprodukt dieser Werke kann durchaus traditionelle Malerei sein. Aufgetragen auf Papier, Leinwand oder Holz, danach digital fotografiert, wird das „hand made“ in der digitalen Weiterbearbeitung immer stärker verfremdet, bis es nur noch als Ahnung des Malerischen in den neuen Bildern weiterlebt. Das ist wohl der Grund, weshalb ihrer Wirkung etwas Rätselhaftes, durchaus Numinoses anhaftet, das uns verleitet, über den technischen Vorgang ihrer Entstehung nachzudenken (Abb.im Text).

Kleinste Veränderungen im Farbaufbau können die Wirkung der Bilder ganz entscheidend verändert, wenn nicht in eine total andere Richtung lenken. Lässt der Künstler den vermeintlichen Horizontstreifen fallen, stellt sich die Assoziation zu Erde und Himmel, Himmel und Wasser nicht mehr ein und wir sehen uns reiner Malerei gegenüber, die sich jeglicher Reverenzialität nach aussen entzieht. Das ist wohl der entscheidend neue Schritt, den Hannes Gamper in den neuesten Plotterdrucken vollzogen hat (Abb.im Text).

Der experimentelle, digitale Zugriff, den die neuen Arbeiten von Hannes Gamper aufweisen, hat seine Malerei zu neuen Horizonten – im doppelten Wortsinn – geführt.

Elisabeth Keller-Schweizer