K12 KÜNSTLER - Rainer Rainer
BIOGRAFIE
*1958 in Dornbirn

AUSSTELLUNGEN
1988 Studio Aller Art Bludenz
1988 Studio Aller Art Bludenz (Gruppenausstellung)
1990 Kulturhaus Dornbirn (Gruppenausstellung)
1992 Galerie Neufeld Lustenau (Einzelausstellunng)
1994 Mellauer Werkstatt (Gruppenausstellung)
1994 Gasthaus Hirschen Schwarzenberg (Gruppenausstellung mit Renner, Grosz, Gamper u.a.)
1995 Gasthaus Hirschen Schwarzenberg
1998 Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis Bregenz (Gruppenausstellung)
1998 Deuringschlössle Bregenz (Gruppenausstellung)

1999 Galerie Kurzemann Götzis
2000
Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis Bregenz (Gruppenausstellung)

PUBLIKATIONEN
1992 "Darüber hinaus und mehr" Neufeldverlag Lustenau
1994 "Soiree Brut" Hecht Verlag
1995 "Mäuler, Klauen, Seuchen"
Hecht Verlag


Vernissagerede von Kurt Bracharz zur Ausstellung "The New York Block" am 24.6.2005
199
Rainer Rainer nennt die Suite von Bildern, die wir hier an den Wänden der Galerie sehen, „the new york block“. Das ist eigentlich nur eine geographische Bezeichnung, die aber angesichts der peinture dieser Bilder zwangsläufig Assoziationen auslöst. New York war ab 1945 fünfundzwanzig Jahre lang das künstlerische Zentrum nicht nur der modernen amerikanischen Malerei, sondern der gesamten Kunstwelt. Das lag zuerst am Aufstieg der sogenannten New Yorker Schule, die an der Uni auch Abstrakter Expressionismus heißt. Für jene, denen Künstlernamen mehr sagen als Schubladenetiketten der Kunstkritik: die Maler waren Arshile Gorky, Willem de Kooning, Jackson Pollock, Barnett Newman, Mark Rothko, Lee Krasner oder Robert Motherwell. Seit ein paar Jahren ist der Amerikanische Expressionismus wieder in den Medien präsent, weil gemunkelt wird, er sei in Europa, insbesondere im besetzten Deutschland, eigentlich nur mittels CIA-Geldern ins öffentliche Bewusstsein gedrückt worden, um der Nazi-Malerei der Meister des deutschen Schamhaares etwas entgegenzusetzen.

Das zu diskutieren – und es ist durchaus diskussionswürdig – ist heute Abend weder der Ort noch die Zeit, denn Rainer Rainer hatte sich eigentlich nicht nach New York begeben, um die amerikanischen Expressionisten zu studieren, sondern war einer privaten Einladung gefolgt, die ihm im März/April dieses Jahrs einen einmonatigen Aufenthalt ermöglichte. Er wohnte an der Kreuzung der Upper East Side mit der First Avenue, in einer bürgerlichen Gegend und weitab von den Künstlervierteln, die sich freilich gerade in New York ohnehin ständig wandeln. SoHo oder Tribeca sind schon wieder nicht mehr die richtigen Adressen. Aber auch in Harlem, das Rainer Rainer von früheren New York Besuchen kannte – ein Bild heißt ja „Lennox Avenue“ – musste er feststellen, dass jetzt Franchise-Ketten wie Starbuck's an die Stelle jener Kneipen getreten sind, in denen man früher zumindest an der langen Theke noch sehen konnte, was mit der alten Metapher vom „Schmelztiegel“ gemeint war.

Rainer Rainer, der sich früher auf die Maler des europäischen Informel, insbesondere auf die Kobra-Gruppe - Asger Jorn, Karl Appel, Pierre Alechinsky - , berufen hat, malt natürlich keine Studien in Museen, und die einzige Ausstellung, die er in diesen New Yorker Wochen besuchte, war eine Basquiat-Retrospektive. Jean-Michel Basquiat war eine prototypische Erscheinung der 80er Jahre: Der Sohn eines haitianischen Vaters wurde – zuletzt von drei Dutzend Kunsthändlern gleichzeitig - als wilder junger Schwarzer aus den Straßen von New York verkauft, obwohl er eine Privatschule besucht hatte, sein Vater ein mehrstöckiges Mietshaus besaß und einen Mercedes fuhr. Entdeckt wurde der Straßenmaler als Teil eines Duos, das sich SAMO nannte, was „Same Old Shit“ bedeutete. Der Kunstkritiker Robert Hughes behauptet, SAMO hätte auf seine Hauswand in der Prince Street „SAMO as an antidote to nouveau-wavo bullshit“ geschrieben, was Hughes, der Basquiat für weit überschätzt hält, natürlich als Beispiel unfreiwilliger Ironie nennt, weil Basquiat selbst ja genau zu nouveau-wavo wurde. Sicher ist, dass Basquiat vom Kunstmarkt extrem ausgequetscht wurde, was er durch seine Drogensucht und die damit verbundenen Geldbeschaffungsprobleme sehr einfach machte, und es deshalb Unmengen von bestenfalls zweitklassigen Bildern von ihm gibt.

Auch Rainer Rainer braucht Geld, aber nicht für Drogen wie Basquiat, sondern zum Unterhalt seiner Familie. Erfreulich ist, dass er sich davon nicht zur kaninchenhaften Produktion hinreißen lässt, sondern ästhetischen Kriterien mehr Gewicht beimisst als kommerziellen. Das Auftauchen von konkreten Elementen in manchen seiner neueren Bilder steht dem ja auch entgegen – die Verfertigung von Schüttbildern, das Dropping, das Schießen mit Feuerwaffen auf Farbblasen und was noch alles an Mätzchen im angeblich spontan-aggressiv-expressionistischen Bereich möglich ist, scheint Rainer Rainer erfreulich fremd geblieben zu sein, auch wenn ihm früher die expressionistische Urgeste, der Welt den Farbkübel in die Fresse zu schleudern, keineswegs fremd war.

Seine Bilder sind insgesamt farbiger und auch irgendwie freundlicher geworden, ohne doch an Kraft zu verlieren. New York Klischees sind in der Suite nicht zu entdecken, weder das Chrysler Building noch irgendwelche Hinweise auf den 11. September noch ein anderes Skyscraper-Motiv. Allerdings ist das Gotham des zweiten Batman-Films von Tim Burton als New York-Kunstwerk ohnehin kaum zu übertreffen. Es ist also doch eher geographisch gemeint, wenn wir es hier mit einem New York Block zu tun haben. Ein bisschen New York Jazz hätte sich aber statt einer Vernissagerede aber doch nicht schlecht gemacht, und man könnte ja den ganzen Abend Lennox Avenue-Nummern spielen, ohne sich zu wiederholen.